In Memoriam Prof. Dr. Wolfram HÖRANDNER (1942-2021)

16.02.2021


Ao. Univ.-Prof. Dr. Wolfram Hörandner

(2. Juli 1942 – 27. Jänner 2021)

Wolfram Hörandner, geboren in Wien, studierte Klassische Philologie und dann insbesondere Byzantinistik an der Universität Wien, war einer der ersten Schüler von Herbert Hunger, dem Begründer der Wiener Schule der Byzantinistik. Hörandner trat 1967 eine Stelle als Assistent am Institut für Byzantinistik an, habilitierte sich 1980 für das Fach und wurde 1987 außerordentlicher Professor.
Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörten Philologie und Literaturgeschichte. Pars pro toto anzuführen sind die Edition der historischen Gedichte des Theodoros Prodromos (Wien 1974), eine grundlegende Studie zum Prosarhythmus in der rhetorischen Literatur der Byzantiner (Wien 1981) und die Textausgabe (gemeinsam mit J. Diethart) der Gedichte des Konstantinos Stilbes (München 2005). Zu seinen jüngeren Werken zählt Forme et fonction. Remarques sur la poésie dans la société byzantine (Paris 2017). Wolfram Hörandners Wirken war und bleibt verbunden mit dem Jahrbuch der Österreichischen Byzantinistik (JÖB), dessen Redaktor, dann Herausgeber er über Jahrzehnte bis 2007 war. In diesem Rahmen hervorzuheben ist die Publikation der Kongreßakten des 16. Internationalen Kongresses für Byzantinistik in Wien 1981 in insgesamt 10 Bänden (Wien 1981-1982). Hörandner fungierte auch als wissenschaftlicher Sekretär besagten Kongresses, leitete über viele Jahre die Kommission für das Corpus Fontium Historiae Byzantinae der Association Internationale des Études Byzantines.

Allen wird er immer als zurückhaltender und hilfsbereiter Kollege in Erinnerung bleiben, der gleichwohl pointiert zu formulieren wußte; seine Schüler führte er geduldig ins Fach ein und arbeitete späterhin mit ihnen zusammen, so bei der Herausgabe des Companion to Byzantine Poetry (Leiden-Boston 2019). Im Dezember 2019 weilte Wolfram Hörandner, schon von schwerer Krankheit gezeichnet, ein letztes Mal im Kreis der Kollegen in der Postgasse, dem langjährigen Sitz des Instituts. Die Wiener Byzantinistik wird ein ehrendes Angedenken an ihn bewahren.

Ewald Kislinger